eier, erbsen, schleim & zeug

Donnerstag, 25. Mai 2006
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reklame ist totalitär. jede kritik wird vereinnahmt. jede kritik zeigt, dass und wie und wo und bei wem die reklame aufmerksamkeit erregt. jede kritik weist, ob sie will oder nicht, auf optimierungsmöglichkeiten hin usw.

reklame erstickt jedes gespräch von gleich zu gleich. dein werbetreibender gesprächspartner wertet alles aus, was du sagst. wenn es dein gesprächspartner nicht tut, tut es der geldgeber deines gesprächspartners.

wer sich nicht vereinnahmen lassen will, dem bleiben drei möglichkeiten:
1. in der öffentlichkeit zu schweigen und kritik etc. nur privat zu äußern (das sog. "ignorieren")
2. in der öffentlichkeit nur in anspielungen zu sprechen; je feiner die sensoren der werbe-industrie, desto dezenter die anspielungen
3. sabotage

das sind genau die drei möglichkeiten, die auch in jedem anderen totalitären system für denjenigen übrig bleiben, der nicht einverstanden ist.

[zu schaffendes topic: and now for something completely different]

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Es geht ja immer darum (nach Luhmann), anschlussfähige Kommunikation zu schaffen. Also muss man die Kommunikation abschliessen.

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Auf Kulturzeit eine Soziologin (? - bekannter Name, ist mir aber entfallen), die meinte, man dürfe die Nazis nicht hochspielen — das führe ich jetzt einfach als Beispiel an — weil sie auf jede, gerade auch schlechte Presse stolz seien. Also nicht oder nur wenig darüber schreiben, um anschlussfähige Kommunikation zu vermeiden?

Kommt mir nicht überzeugend vor. Aber vielleicht ist das mit Reklame ganz anders. (Und gelten diese Thesen für Reklame insgesamt?)

Aber ich kann in vielen (zu vielen?) Situationen eine Kommunikationsverweigerung schon ok finden.

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Ist halt die Frage, ob es sich um Kommunikation über Kommunikation handelt (Pseudo-Event) oder um echte Ereignisse, die da verhandelt werden.

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Liegt nicht vielleicht auch dem Pseudo-Event ein Event zugrunde? [ökonomisch, politisch, sozial]

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Ich ahne nur, was mit anschlussfähiger Kommunikation gemeint sein könnte, aber "Kommunikation abschliessen" klingt gut.
In der fraglichen "Kommunikation" geht es ja auch um das Verlinken (auch "konträrer" Positionen), mit dem zT die Angestellten selbst ggü. ihren Geldgebern die Erfolgskontrolle übernehmen und wo sie alles, wo der Produktname auch nur zwschen den Zeilen gedacht wird, als Referenz hernehmen. Da kommt man dann natürlich schnell zu Punkt 3.

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das traurige am ignorieren (der von mir bevorzugten strategie) ist im bezug auf weblogs, dass mein weblog immer öfter zum instrument des sich-nicht-äußerns wird, was ja der eigentlichen old-school-grundidee eines weblogs entgegensteht. falls jemand versteht, was ich meine.

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versteh ich sehr gut, ja.
da gibt es auch keinen ausweg.

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Als ein Freund und ich mal mit Reklame mehr zu tun hatten, als uns lieb gewesen wäre, und wir vor irgendsoeiner Tafel standen und daran systemimmanent herummäkelten, sagte er »Wir sollten sowas kritisieren, statt es zu machen.« (Wäre dann ja leider auch kein Abschluss der Kommunikation; war aber effektiv.)

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